MauerSegler 2009 - Kulturpädagogische Projekttage zur Geschichte der Berliner Mauer

MauerSegler LogoEin Projekt zur politischen Bildung für SchülerInnen der 7. – 12. Klassen

Wir befinden uns mitten in einem Aushandlungsprozess, was die DDR war und was von ihr erinnert werden sollte.
Nach wie vor stehen sich sehr widersprüchliche Positionen gegenüber.
Unter diesen Umständen ist es für Jugendliche nicht leicht, eine kongruente Vorstellung von der Geschichte zu entwickeln, die sich naturgemäß aus vielen unterschiedlichen Geschichten zusammensetzt.
Wenn darüber hinaus das noch immer problematische Zusammenwachsen alter und neuer Länder der Bundesrepublik erfolgreich sein soll, ist – gerade für junge Menschen – nicht nur der Blick nach vorn, sondern auch der Blick zurück wichtig.

Die Organisatoren des Projektes MauerSegler haben sich zum Ziel gesetzt, Jugendlichen einen Faden in die Hand zu legen, an dem sie sich im Anschluss an das Projekt selbständig vorantasten können, um sich ein komplexes Verständnis von der Teilung Deutschlands und seiner Hauptstadt zu verschaffen.

Das Projekt gibt den Jugendlichen Raum, einen persönlichen Zugang zum Thema zu finden und das Erlebte zum Ausdruck zu bringen.
Die imaginäre Mauer zwischen den ProjektteilnehmerInnen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft wird spielerisch demontiert, während Bilder und Gegenstände die erzählten Geschichten buchstäblich greifbar machen.

Die Projekttage sind in drei Module gegliedert, die einzeln, kombiniert oder als Gesamtpaket gebucht werden können:

  1. ZeitzeugInnen-Gespräch (ca. 3 Stunden)
  2. Spurensuche entlang der ehemaligen Berliner Mauer (4 – 6 Stunden)
  3. kulturpädagogisch angeleitete Workshops (4 Stunden)

In den Workshops werden die Eindrücke und Erlebnisse des Zeitzeugen-Gespräches und / oder der Spurensuche verarbeitet, es ist deshalb nicht sinnvoll, einen Workshop einzeln zu buchen.

Im Zeitzeugen-Gespräch treffen die SchülerInnen auf ZeitzeugInnen aus Ost- und West-Berlin, begleitet durch einen Moderator, der anfängliche Hemmungen, Fragen an die ZeitzeugInnen direkt zu stellen, zu überwinden weiß.
Wie im Flug wechseln die teilnehmenden SchülerInnen die Perspektiven, indem sie auf ZeitzeugInnen treffen, deren Erfahrungswissen und die damit verbundenen Emotionen im gemeinsamen Gespräch hautnah erlebt werden.

An einem zweiten Tag können die Jugendlichen Spuren der Teilung bzw. einer wieder zusammenwachsenden Stadt auf ihren Streifzügen durch Berlin mit dem Fotoapparat oder einem Tonträger festhalten. Rätsel und Aktionen führen die SchülerInnen von Station zu Station. Um der wahren Geschichte auf die Spur zu kommen, müssen PassantInnen befragt, der Verlauf der Mauer rekonstruiert und eine real passierte Szene nachgespielt werden.

Das gesammelte Material und/oder eine Geschichte, die in den Köpfen der SchülerInnen hängen geblieben ist, können in Workshops mit qualifizierten Theater-, Kunst- und MedienpädagogInnen aufbereitet und in einem Hörspiel, Rap, Reisetagebuch, Feature, Werbespot, einer Reportage, Toncollage, einem Trickfilm oder Theaterstück verarbeitet werden.
Die bisherige Erfahrung in den Workshops zeigt, dass die gemeinsamen Erlebnisse durch die kreative Auseinandersetzung an Intensität gewinnen und die emotionalen Aspekte der gehörten Geschichten in den Vordergrund treten.
Die Workshops bilden somit die Krönung der Projekttage, da sie den Jugendlichen Gelegenheit geben, selbst im Rampenlicht zu stehen und ihre Interpretation der Geschichte zu präsentieren.

Die SchülerInnen lassen die gewonnenen Eindrücke und frühere sowie aktuelle Erfahrungen in ihre Werke einfließen.
Es werden Impulse für eine selbständige Fortsetzung der bewussten und kreativen Auseinandersetzung mit der Geschichte sowie aktuellen politischen Fragestellungen gegeben.
Im offiziellen Weblog mauersegler09.de können sich die SchülerInnen und die ZeitzeugInnen weiterhin austauschen.

Jede Schulklasse erhält außerdem eine Dokumentation ihrer Projekttage auf DVD.
Eine Zusammenstellung der Projektergebnisse aller beteiligten Schulklassen wird im November 2009 öffentlich präsentiert und diskutiert.

Mit dem Projekt MauerSegler erhalten die Jugendlichen die Chance, neben dem Besuch statischer Gedenkstätten wie dem Checkpoint Charlie, in direkten Kontakt mit den Menschen zu treten, die durch die Mauer geprägt wurden.
Sie gewinnen einen authentischen Eindruck von den langfristigen Folgen der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze und setzen sich über die kreative Arbeit aktiv mit der Zeitgeschichte auseinander.

Auf diese Weise partizipieren sie an einem lebendigen und inspirierenden Dialog zwischen Alt und Jung, Ost und West, Kultur und Bildung sowie den alten und neuen Bundesländern.

Durch die Berührung mit den vielfältigen Perspektiven individueller Erinnerungen wird ein demokratisch-pluralistisches Geschichtsbewusstseins geschult, das gegen die Vereinnahmung und Manipulation des historischen Gedächtnisses immunisiert.